DenkRäume oder „Weshalb fallen uns Veränderungen SOOO schwer?“ #1

Wir bewegen uns in sogenannten „Denk-Räumen“, in denen wir bestimmte „Brillen“ tragen. Ein DenkRaum ist bestimmt durch unsere Art & Weise, zu denken: WAS und WIE wir über Personen und Situationen denken und WELCHE Art von Lösungen uns zur Verfügung stehen. Sie stellen unseren „Filter“ dar.

Der Inhalt dieser Räume wird bestimmt durch:

  • Unsere Brille:

Zum einen durch die „Brille“, durch die wir auf die Welt um uns und in uns blicken, gebildet aus den Prinzipien unserer angeborenen archetypischen Muster (nach CG Jung) und unserer grundlegenden Werte, Bedürfnisse und Prinzipien (im Verständnis von psychologischer Astrologie).

  • Unsere Erfahrungen & Erkenntnisse:

Zum Zweiten durch unsere Erfahrungen, die wir in unserem Leben gemacht haben, wobei es hier weniger um die Erfahrungen selbst als um die «Ergebnisse» dieser Erfahrungen geht, also um die Art & Weise, WIE wir unsere Erfahrungen beurteilen.

Zu diesen Erfahrungen zählen insbesondere jene unserer Kindheit, da hier – in Abhängigkeit zu Punkt 1 – Erfahrungen in Bezug auf die «Ergebnisse unserer Reaktionen auf Situationen» gesammelt wurden: Wir erlebten/ erfuhren eine Situation, wir reagierten darauf und erzielten ein Ergebnis. War dieses Ergebnis für uns ein erfolgreiches, so haben wir unsere Reaktion dazu gespeichert und mit der Zeit, wenn wir des Öfteren damit erfolgreich waren, quasi ein «erprobtes Reaktionsmodell» dazu entwickelt.

  • Die Erfahrungen unserer Vorfahren & deren Beurteilung:

Zum Dritten aber durch Erfahrungen unserer Vorfahren, die in unserem Gewebe gespeichert sind, wobei ich mich hier jetzt nicht festlegen möchte, ob diese in unseren Genen, in den wässrigen Informationsspeichern unseres Körpers oder im Gewebe generell gespeichert sind. Jedenfalls handelt es sich um emotional erlebte, relevante Erfahrungen unserer Vorfahren zu verschiedensten Situationen.

Diese Charakteristika unseres DenkRaums bestimmen also, WIE wir mit Situationen in unserem Leben wir umgehen und welche Lösungsansätze uns für deren Bewältigung zur Verfügung stehen.

WOZU dienen diese DenkRäume & WOBEI helfen sie uns?

Diese DenkRäume bilden zudem den «Rahmen» für unser Leben. Alles innerhalb dieses Rahmens ist definiert und unterstützt uns bei unseren Beurteilungen. Sie sagen aus, WAS wir glauben zu wissen und WIE wir unsere Entscheidungen treffen. Und sie spielen insbesondere insofern eine massgebliche Rolle, da wir bei Lösungsfindungen nicht mehr tatsächliche ALLE GESAMTHAFT zur Verfügung stehenden Lösungsansätze aufbieten, sondern im Besonderen ALLE JENE, DIE UNS IN DIESEM DENKRAUM zur Verfügung stehen. Es handelt sich also um eine ganz persönliche Auswahl an Lösungsansätzen im Verhältnis zu allen tatsächlich existierenden.

VORTEIL & NACHTEIL von DenkRäumen

Kein Vorteil ohne Nachteil und umgekehrt: Der VORTEIL von DenkRäumen liegt darin, dass wir SCHNELLER reagieren, der Nachteil darin, dass wir eben nicht tatsächlich ALLE zur Verfügung stehenden Lösungsansätze anpeilen.

Letzteres spielt genau SO langen keine Rolle, als es uns mit unseren Entscheidungen gut geht und wir mit ihnen gut leben können. Sie spielen jedoch eine enorme Rolle, wenn wir mit unseren Entscheidungen unglücklich sind und unsere Art und Weise zu denken uns unglücklich machen oder uns ganz und gar in Verzweiflung und Depression stürzen.

Spätestens hier ist es an der Zeit, über das Vorhandensein dieser DenkRäume nicht nur Bescheid zu wissen, sondern auch zu wissen, dass wir sie VERLASSEN KÖNNEN.

WESHALB fällt es uns so schwer, unseren persönlichen DenkRaum zu verlassen?

Unser persönlicher DenkRaum stellt für uns eine Art «sicherer Hafen», unsere Heimat dar. Er steht nicht nur alleine für sich, sondern verhält sich wie ein Apartment unter vielen in einer kleineren oder grösseren Wohnanlage (oder wie das Leben im Dorf): Jedes Apartment bzw. jede Wohneinheit im Dorf ist zum einen individuell gestaltet gemäss seiner Bewohner, zum anderen jedoch aufgrund bestimmter Merkmale anderen Apartments ähnlich – wie etwa  in Grösse, Grundriss, definierten Zugängen zur Anlage und zur Wohnung, Verwaltung uvm. Und natürlich gibt es neben unseren ganz persönlichen Regeln nun auch bestimmte Gemeinschafts- und/ oder Hausregeln, an denen wir uns orientieren.

Über das Leben in dieser Umgebung wissen wir also Bescheid. Wir glauben also zu wissen, wie es funktioniert, und auch, wie es nicht funktioniert. Durch seinen «Rahmen» gibt es uns eine Art «Heimatgefühl». Dieser Rahmen ist uns vertraut.

Die «KRUX»

Wollen wir jedoch nun etwas verändern, so müssen wir manchmal die Wohnanlage oder das Dorf verlassen, das uns so vertraut ist. Wenn es uns nicht mehr gut geht oder wir verzweifelt oder deprimiert sind, dann liegt dies in der Regel daran, dass wir bereits alle an diesem Ort – in diesem DenkRaum – zur Verfügung stehenden Mittel wesentlich MEHR ALS EINMAL ausgelotet haben, und unsere Verzweiflung rührt daher, dass wir den Eindruck haben, dass – egal was wir auch versuchen – es einfach nicht die gewünschte Veränderung herbeiführt.

Weil:     Wir haben bisher NUR IN DIESEM DENKRAUM nach der Lösung gesucht.
Um UNSERE LÖSUNG zu finden, müssen wir aber manchmal DIESEN DenkRaum verlassen, und einen neuen betreten.

 NEUE DenkRäume

Was wir in der Regel nicht bemerken ist, dass unser DenkRaum eine Türe hat, durch die wir ihn verlassen können, und davor fürchten wir uns.

Wir möchten Veränderungen am liebsten dadurch erreichen, OHNE DASS WIR ETWAS VERÄNDERN.

Oder, um es über das Ergebnis auszudrücken: Wer immer das gleiche versucht, wird auch immer das gleiche Ergebnis erfahren, und da muss es nicht verwundern, dass dieses Erlebnis frustrierend ist.

Unsere Angst als unser Gegenspieler

Unser DenkRaum gibt uns also Geborgenheit und eine Art Heimatgefühlt, da wir hier die Spielregeln kennen. Und auch, WENN es uns hier nicht gefällt: Wir wissen zumindest, wie das Leben hier funktioniert. Wir wissen aber nicht, WIE das das Leben ausserhalb dieses DenkRaumes funktioniert.

2 Hauptgründe für unsere Angst

Die Hauptgründe für unsere Angst liegen in beiden Fällen im NICHT WISSEN, was sich dahinter befindet, hinter dieser Türe: Dem Unbekannten

  • Das Gewohnte verlieren

Obwohl die Chance mindestens 50% steht, dass ausserhalb unseres DenkRaumes eine positive Weiterentwicklung stattfinden kann/wird, wagen wir kaum jemals, dies herauszufinden.

Das Absurde daran: Unsere seit den Menschheitsanfängen auftretende Angst stammt in der Regel daher, dass sie darauf bezogen war, dass wir sterben können. Es handelte sich also ECHTE ÜBERLEBENSANGST, während sich die Angst heutzutage v.a. darauf bezieht, Familie, Freunde, Job, Geld, Macht, Prestige oder Einfluss zu verlieren. Natürlich handelt es sich hierbei um für uns Relevantes, nichts desto trotz jedoch nicht wirklich lebensbedrohend, obwohl wir es so empfinden.

  • Die Identifikation verlieren

Wir identifizieren uns mit unserem DenkRaum. Er bildet nicht nur unseren Rahmen, in dem wir uns bewegen oder die Brille, durch die wir beurteilen: Wir meinen auch, dass DIESE ART ZU DENKEN UND ZU ENTSCHEIDEN, UNSERE PERSON, UNSERE PERSÖNLICHKEIT ausmacht. Wir meinen häufig, dass andere Wege zu denken nicht UNS entspricht und dass, wenn wir dies ändern würden, praktisch uns selbst verlieren. Und wer wären wir dann?

RESUMÉE

WENN wir also vor der Entscheidung stehen, uns OHNEHIN zu verlieren, nämlich an die Traurigkeit, die Erschöpfung, die Depression zu verlieren haben: Lohnt sich nicht spätestens jetzt, den Sprung ins Ungewisse zu wagen? Wenn wir praktisch sicher sind zu meinen, dass wir die aktuelle Situation nur mehr mit Pillen, Alkohol, Drogen oder sonstigen Exzessen meistern zu können:

Lohnt es sich nicht spätestens jetzt, den bisherigen DenkRaum zu verlassen, der uns jetzt nicht mehr weiterhelfen kann, um einen neuen aufzusuchen? Denn eines ist sicher: Es existiert mehr als nur EIN DenkRaum und MEHR als nur eine Brille. Wir haben später ja noch immer Zeit, aufzugeben. Weshalb vorher nicht ein bisschen «spielen»? Es könnten ja sein, dass WIR UNS DABEI FINDEN??????????

CAROLIN & die Gerechtigkeit oder „Gefangen im Kopf“ #2

Carolin war eine junge, enthusiastische Frau mit einer, wie es schien, etwas komplizierten Persönlichkeit. Aus irgendeinem Grund hatte sie es sich in den Kopf gesetzt, sich für Gerechtigkeit in der Welt einsetzten zu wollen. An diesem Thema hatte sie einen echten Narren gefressen.

Für sie schien ihr Weltbild völlig klar zu ein. Sie wusste genau, was richtig und was falsch, was gerecht und was ungerecht war, und so trat sie mit Enthusiasmus stolz für Gerechtigkeit ein – Was für eine hehre Aufgabe!

Und wie toll war es, genau zu wissen, was richtig und was falsch war. Carolin wollte die Welt retten und war bereit, sich dafür mit den Menschen anzulegen.

Nun, fast, denn das meiste spielte sich in ihrem Kopf ab, und da sie trotz allem eher schüchtern war, zeigte sich Kampfesstimmung v.a. an ihren verärgerten Reaktionen über dieses und jenes, an ihrem kindlich-trotzigen Verhalten und in ihren gelegentlichen verzweifelten Wutausbrüchen über die Ungerechtigkeiten dieser Welt.

Carolin wandte die Brille der Gerechtigkeit für alles an, und wie übel war es, wenn sie Ungerechtigkeit in Bezug auf sie selbst erlebte. So kämpfte sie verbissen dagegen an, denn sie wollte siegreich daraus hervorgehen. Sie wollte doch auch gar nicht viel: Sie wollte einfach nur Gerechtigkeit.

*****

Völlig entgegen ihrer Erwartung aber löste sich alles Übel nicht auf, und was sie hinausführen sollte, führte sie hinab und sie geriet sie in eine kontinuierlich enger werdende Abwärtsspirale. Man konnte es auch mit einem Moor oder mit Treibsand vergleichen: Je mehr sie sich ans Licht zu kämpfen versuchte, desto tiefer sank sie hinab: Kämpfen – fallen, mehr kämpfen – tiefer fallen, noch mehr kämpfen – noch tiefer fallen.

Das gleiche passierte auch mit ihren Gedanken: Je mehr sie nach Lösungen suchte, desto weniger fand sie. Oder um es genauer auszudrücken: Die Lösungen, die sie fand, halfen ihr nicht. Und nicht nur halfen sie nicht: Sie verschlimmerten auch alles.

So fiel Carolin in eine tiefe Depression. Sie weinte, sie kämpfte, sie setzte Aktionen zu ihrer Rettung, die wiederum keiner verstand. Und niemand konnte ihr helfen. Sie versuchte sich mitzuteilen, aber alle Worte reichten nicht aus, um anderen verständlich zu machen, was in ihr und ihrem Kopf vorging. Manchmal fühlte es an wie ein Brett vor dem Kopf, das sie nicht durchbrechen konnte.

Die Erkenntnis, dass niemand sie zu verstehen schien, verstärkte die Verzweiflung und sie wurde noch sensibler, als sie ohnedies schon war. Mehr und mehr begann sie, alle Ereignisse um sich herum zu analysieren, zu filtern, zu beurteilen, zu interpretieren, ständig auf der Suche, um endlich zu verstehen, was passierte. Der Druck in ihrem Kopf stieg mächtig an.

In der schlimmsten Phase war es schliesslich so weit, dass sie glaubte, nun verrückt werden zu müssen. Sie wusste nicht mehr, ob ihr Kopf vor lauter Druck implodieren oder explodieren würde.

*****

In dieser Situation kam ihr eines Tages ein rettender Gedanke: Sie musste ihr ganzes Weltbild aufgeben und alles, woran sie bisher geglaubt hatte, alles, was sie bisher für richtig und falsch gehalten hatte, denn es hatte ihr v.a. Kummer und Verzweiflung gebracht. Aus ihrer Sicht hatte sie bis zu diesem Zeitpunkt alles versucht, was sie nur konnte.

Hatte Carolin nun geglaubt, sie wäre der Lösung ganz nah, so musste sie jetzt entdecken, dass sie sich vor diesem Schritt unglaublich fürchtete, denn sie merkte nun, dass dieses Streben nach Gerechtigkeit und ihr ganzes bisheriges Weltbild, ihr Verständnis der Welt und wie alles in ihr funktionierte, nicht einfach nur Gedanken waren, die man verändern konnte: Sie hatte bemerkt, dass sie von diesem Denken in jeder Faser ihres Körpers und ihres Kopfes völlig durchdrungen war, insbesondere ihr Kopf schien völlig davon betroffen zu sein. Es fühlte sich sogar so an, als hätten sich ihre Gedanken mit jeder Zelle, mit dem ganzen Gewebe des Kopfes verbunden und wären nicht einfach so zu löschen. Es ging also nicht einfach nur darum, ein paar Gedanken aufzugeben, es schien vielmehr, als müsste sie sich selbst aufgeben: SIE WAR ihre Gedanken.

So quälten Carolin nun neue Gedanken: „Was passiert, wenn?“, „Existiere ich dann noch?“, „Erinnere ich mich noch an mich selbst?“, „BIN ich dann noch ich selbst“. Carolin fragt sich, ob sich ihr Geist nun völlig auslöschen und auflösen würde und sie dann vielleicht als ein Wesen leben würde, das keine Erinnerung mehr an sich selbst hätte.

Carolin & die wichtigste Nacht ihres Lebens

In dieser Nacht weinte Carolin viel. Sie hatte Angst. Richtige Angst. Wirkliche Angst. RIESIGE ANGST. PANISCHE ANGST, nackte Überlebensangst. Diese Nacht gestaltete sich zur eindrücklichsten und wichtigsten Nacht ihres Lebens. Mit einer Flasche Rotwein und vielen Tränen machte sich Carolin schliesslich auf den Weg. Denn wenn sie es genau nahm, hatte sie nur eines zu verlieren: Ihre Qualen in Form ihrer Traurigkeit, ihres Kummers und ihre Verzweiflung sowie der Tatsache, dass sie niemand verstand. Weiter abwärts in diesem Kopfkino konnte es nicht mehr gehen.

Und so verabschiedete sich Carolin in jener Nacht von dem, was sie für sich selbst hielt.